Neues zu alten Graffiti. Die Seite dient der Vernetzung der Graffitiforschung und der Information: Im Blog werden Projekte, Veranstaltungen und Publikationen zu historischen Graffiti vorgestellt und angekündigt.

Aber warum sich überhaupt mit Graffiti beschäftigen?

Als informelle Inschriften, die nicht gegen Bezahlung oder im Auftrag Anderer angefertigt werden, spiegeln Graffiti ganz persönliche Bedürfnisse und Meinungen wider. Mit jeglichen gerade verfügbaren Schreibmaterialien angefertigt, geben sie Einblicke in spezifische Situationen und Lebensumstände, die sich aus anderen Quellengattungen in dieser Form nicht erschließen lassen. Graffiti verbinden so Schicksale mit Orten und liefern Informationen über die Menschen, die z.B. das antike Pompeji belebten, Pilgerorte bereisten oder im Gestapogefängnis in Köln gefangengehalten wurden.

In den klassischen Altertumswissenschaften ist der Aussagewert von Graffiti in ihrem räumlichen Kontext erst in den letzten Jahren voll erkannt worden; aber während die Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Klassische Philologie dabei interdisziplinär und auch vergleichend mit der Ägyptologie zusammenarbeiten, bleibt der Blick von späteren Epochen abgewandt: Obwohl Graffiti eine kulturhistorische Konstante darstellen, wurden sie bisher nur zu anderen antiken Graffiti und/oder zu anderen Inschriftenformen ins Verhältnis gesetzt.

Deshalb fand im April 2017 eine Konferenz an der LMU München statt, die der wissenschaftlichen Vernetzung diente mit dem Ziel, Methoden und Perspektiven der Graffitiforschung sowie Dokumentations- und Konservierungsmöglichkeiten der vom Verfall bedrohten Inschriften interdisziplinär und epochenübergreifend zu diskutieren. Dafür wurden Graffiti aus der Antike bis in die Neuzeit vergleichend betrachtet und in ihrem räumlichen Kontext als Quellen analysiert. Ein Konferenzband ist in Planung.

Die diachrone Zusammenstellung historischer Graffiti macht einerseits die Ausprägung speziell dieser „ephemeren“ Erinnerungspraktik in verschiedenen Epochen und funktionalen Kontexten verstehbar und zeigt andererseits auf, für welche unterschiedlichen Personen(gruppen), Lebensbereiche und -formen  die Graffiti als Quellen fungieren können – ob es sich nun um Graffiti kommerzieller und touristischer Natur, von Bewohnern wie Besuchern, von sakralen wie profanen Orten, von freiwillig Reisenden und mutwillig Gefangengehaltenen handelt.

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(Titelfoto: Historischer Touristengraffito in Persepolis, Iran. Polly Lohmann)