Der Begriff „Graffiti“ umfasst verschiedene Formen von Inschriften aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte, die in Oberflächen geritzt oder mit Farbe angebracht wurden [→abtragendes und →auftragendes Verfahren]. Obwohl heute die Assoziation mit modernen Spraytags an Häuserfassaden und U-Bahn-Waggons dominiert [→Graffiti-Writing, Graffiti-Tags], wurde der Terminus Graffiti/Graffito (Sg.) im 18. Jahrhundert als Bezeichnung für die bei der Ausgrabung der römischen Vesuvstädte neu entdeckte Inschriftenform geprägt. Tausende geritzter Texte, Zahlen und Bilder wurden an den Innen- und Außenwänden von Wohnhäusern, Läden und öffentlichen Gebäuden, an Gräbern, Stadtmauern und Stadttoren Pompejis gefunden. Neben den Graffiti an gebauten oder geologischen Strukturen [→Wandgraffiti, →Bodengraffiti] gibt es auch solche auf beweglichen Artefakten [z.B. →Gefäßgraffiti, →Münzgraffiti].

Wandgraffiti (und Bodengraffiti) markieren Orte, die von Menschen besucht wurden und/ oder an denen Menschen sich – ob gewollt oder ungewollt – für längere Zeit aufgehalten haben; sie verweisen auf die Bedeutung bestimmter Orte (z.B. als Pilgerstätten) oder geben Einblicke in das Alltagsleben (z.B. in Wohnhäusern oder Gefängnissen), die aus anderen Quellen so nicht hervorgehen. Als historische Graffiti werden im Rahmen der Konferenz „Historische Graffiti als Quellen“ all diejenigen Graffiti aufgefasst, die nicht dem modernen Phänomen des Graffiti-Writing angehören und sich an historischen Orten oder Gebäuden befinden. Rein ornamentale oder figürliche Graffiti aus schriftlosen Kulturen werden im Rahmen der Konferenz nicht behandelt, weil ihr Aussagewert für die zu diskutierenden Fragestellungen begrenzt ist. Graffitzeichnungen machen dennoch einen nicht geringen Anteil z.B. der antiken Graffiti aus.

(Text: Polly Lohmann. Foto: Felix Schulte)

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