Die Marienkirche in Quedlinburg war bis vor wenigen Jahren nicht zu besuchen, denn seit der Reformation hatten annähernd zwanzig Familien in der ehemaligen Klosterkirche ihre Wohnung genommen. Aufgrund einer erfolgreichen privaten Initiative konnten diese Wohneinheiten wieder vereinigt und der Sakralraum in großen Teilen hergestellt werden. Auch die als Keller unterteilte und genutzte ottonische Krypta wurde dabei wieder zugänglich gemacht. Aufgrund dieser besonderen Überlieferung haben sich an einigen Stellen die mittelalterlichen Wandoberflächen erhalten. Auf diesen Oberflächen konnten mehrere Graffiti festgestellt werden, die aufgrund der baulichen Konservierung hoch- und spätmittelalterlich datiert werden können. Neben Einzelsymbolen und Gruppen fünfeckiger Sterne wurde in unmittelbarer Nähe zum Standort des ehemaligen Hauptaltars die Zeichnung eines Reiters festgestellt, der aufgrund seiner miteingeritzten Attribute (u.a. Nasalhelm) an den Übergang vom 11. zum 12. Jahrhundert datiert werden kann. In seinem Vortrag wird Thomas Wozniak die baulichen und historischen Entwicklungen nachvollziehen und ausgewählte Graffiti im Detail vorstellen.

(Foto und Abstract: Thomas Wozniak)

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