von Dr. Ulrike Heckner

Verborgen unter dem Kirchendach von St. Katharina in Langerwehe-Wenau im Kreis Düren sind geometrische Figuren und Darstellungen auf eine alte Wand des ehemaligen Nonnenklosters gezeichnet. Es handelt sich um etwa 500 Jahre alte Graffiti, die Handwerker beim Neubau des Dachstuhls in den Putz geritzt haben.

Die Wenauer Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert wurde unter der 1492–1506 amtierenden Magistra Margarete von Fleck umgebaut, dabei verschwand eine alte Außenwand unter dem neu errichteten Dachstuhl. Erneute Umbaumaßnahmen im Dach erfolgten nach einem Brand 1561. Die beteiligten Handwerker hinterließen großflächige Zeichnungen auf der nunmehr verborgenen Wand, die eine Fläche von 14m Breite und bis zu 2,20m Höhe bedecken: Mit dem Zirkel konstruierte oder freihand gezeichnete Rosetten, Pentagramme in unterschiedlichen Größen und eine Vielzahl von Hämmern haben sie zur Übung oder zum Zeitvertreib in den Putz geritzt. Die Hämmer sind so realistisch gestaltet, dass sie als Zimmermanns-, Maurer- oder Schieferhämmer einzelnen Gewerken zugeordnet werden können. Die Handwerker haben sich so an dieser unzugänglichen Stelle der Kirche verewigt und damit ihren Stolz auf ihre Leistung beim Umbau zum Ausdruck gebracht: nicht mit ihren Namen, die sie als Schriftunkundige nicht schreiben konnten, sondern mit der selbstbewussten Wiedergabe des Werkzeugs als Zeichen ihres Handwerks.

Die Zeichnungen sind ein persönliches Zeugnis von Menschen, die sonst nicht im Zentrum der historischen Überlieferung stehen. Durch ihren spontanen und inoffiziellen Charakter besitzen die Graffiti einen besonderen Reiz und einen ungefilterten, authentischen Quellenwert. Nur in äußerst seltenen Fällen sind historische Graffiti von Handwerkern erhalten, daher stellen die Wenauer Putzritzungen ein besonders kostbares und einzigartiges Dokument aus der alltäglichen Lebens- und Arbeitswelt im späten Mittelalter dar.

(Fotos: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Viola Blumrich/Hans Meyer)

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