Die Frage nach den Personengruppen, die Zutritt zu einem altägyptischen Tempel hatten und wie weit bzw. in welche Räume sie vordringen durften, ist seit langem kontrovers diskutiert. Die Untersuchung der Graffiti innerhalb der Tempelareale kann dabei helfen, sich dieser Frage anzunähern. Besonders die Verortung von Graffiti in bestimmten, zum Teil ausgesuchten Arealen und der Zusammenhang mit weiteren Kultstellen im Temenos und dort stattfindenden Praktiken (Hörneraltar für Räucheropfer im Bild) lässt nicht nur Aussagen zur Zugänglichkeit, sondern möglicherweise zu ihrer Funktion und den Adressaten zu. Doch ergeben sich auch fundamentale Probleme, die sich besonders aus der ungenauen Datierung der Graffiti ergibt. Dies gilt vor allem für bildliche und geometrisch-abstrakte Graffiti, die nur in ihrem Kontext verstanden und relativ datiert werden können.

In ihrem Vortrag wird Julia Preisigke auf diese Problematik genauer eingehen und auf Grundlage der Arbeit von Eugene Cruz-Uribe zu den Graffiti im Hibis-Tempel in der Oase Charga [1], in der er sich v.a. mit den Charakteristika von Graffiti allgemein und der Verteilung von Graffiti im Tempel beschäftigt hat, weitere Beispiele diskutieren. Cruz-Uribes Ansätze sollen anhand von eigenen Untersuchungen kritisch betrachtet und ergänzt werden.

[1] Eugene Cruz-Uribe, 2008 „Hibis Temple Project – Vol. 3: The graffiti from the temple precinct“.

(Text und Foto: Julia Preisigke)

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