von Daniel Schulz

Zu allen Zeiten haben Handwerker, Architekten, Künstler, Schlossbewohner, Personal, Wachsoldaten, Reisende, Touristen oder Liebespaare im Ludwigsburger Schloss ihre Spuren hinterlassen. Sie verewigten sich an den Schlossmauern, den Wänden im Inneren, auf Türen und Fensterscheiben. Es finden sich Graffiti in einer Bandbreite, die von eingeritzten Monogrammen bis zu komplexen Zeichnungen reicht, über einen Zeitraum von 1704 bis heute.

Im Folgenden stelle ich die bauzeitlichen Graffiti des 18. Jahrhunderts vor: Inschriften, Abrechnungen, Sprüche, Zeichnungen, Karikaturen und Jahreszahlen. Die Wand als Notiz- oder Skizzenblock, manchmal auch als »Schmierpapier« zu verwenden war in jener Zeit keine Ausnahme, sondern die Regel. Auch die Wandflächen im Rohbau des Ludwigsburger Schlosses waren ganz offensichtlich ein üblicher Träger für allerlei Notizen und Späße. Bei der Menge an Graffiti kann die Anbringung keine unerlaubte oder explizit verbotene Handlung gewesen sein.

Graffiti sind Ausdrucks- und Kommunikationsformen spontaner Art, die nicht beauftragt sind und sich auf einem Träger befinden, der kein Papier ist. Innerhalb des Schlosses kann dieser Träger alles sein: Wände, Türen, Fenster etc. Diese scheinen gewöhnliche Träger in Zeiten gewesen zu sein, als Papier noch nicht wie heute ständig verfügbar war.

Graffiti sind geritzt, eingemeißelt oder gezeichnet bzw. angeschrieben. Dass sie explizit unerlaubt oder unerwünscht angebracht wurden, lässt sich für viele Befunde nicht nachweisen. Anders verhält es sich, wenn die Wand explizit als Skizzenblock für Werk- und Entwurfsskizzen benutzt wurde. Diese sind den Graffiti verwandt.

(Fotos: Daniel Schulz)

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