Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Graffiti sind bislang nur selten für einen größeren, regionalen Raum systematisch erfasst worden. Eine der Ausnahmen in der jüngeren Forschung stellt Tirol dar. Der Vortrag von Romedio Schmitz-Esser basierte auf der Auswertung einiger hundert Graffiti vorrangig aus Nordtirol, die Einblicke in die soziale Zusammensetzung der Schreiberschaft erlauben. Die interessantesten Fragen, die diese Auswertung auswirft, liegt im Bereich des Nutzens der Graffit des 15. und 16. Jahrhunderts: Zumeist in sakralem Kontext und in Kirchenchören erhalten, lässt sich über den apotropäischen Gehalt der kurzen Text- und Bildbotschaften aus der Vergangenheit nachdenken. An Galgen aufgehängte Buchstaben scheinen zudem kaum als Segenswunsch für den Träger der Initialen gemeint gewesen zu sein… So eröffnet diese Quellengattung ungewöhnliche Einblicke in die Gesellschaft Tirols an der Wende vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit.

(Abstract und Foto: Romedio Schmitz-Esser)

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