16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA haben vom 20.-22. April 2017 am Institut für Klassische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität München ihre Forschungen zu historischen Graffiti vorgestellt. Neu war dabei das epochenübergreifende, interdisziplinäre Konzept der Tagung, die Graffiti aus Antike, Mittelalter und Neuzeit vergleichend betrachtete.

Das Veranstaltungsprogramm war chronologisch gegliedert, und nach einem Begrüßungsvortrag begann der Einstieg mit dem Dissertationsprojekt von Julia Preisigke zu Graffiti an ägyptischen Tempeln; es folgte ein lebhafter Überblick über die Graffiti von Aphrodisias von Angelos Chaniotis, bevor der erste Konferenztag mit zwei Vorträgen zu pompejanischen Graffiti abgeschlossen wurde. Die angeregten Diskussionen konnten, animiert von Stefan Ritters bildwissenschaftlicher Perspektive auf die „pompejanischen Kneipenszenen“, bei einem Umtrunk fortgesetzt werden.

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Mit den Vorträgen von Kordula Gostencnik und Hans Taeuber wurden zum Abschluss der antiken Sektion kommerzielle Inschriften ebenso wie antike Zahlenrätsel vorgestellt. Der zweite Konferenztag markierte dann den Übergang zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Graffiti, wobei auf die sakralen Kontexte der Beiträge von Ulrike Heckner, Romedio Schmitz-Esser, Thomas Wozniak, Simon Dietrich und Detlev Kraack die Karzerinschriften aus der Freisinger bischöflichen Hochschule folgten, vorgestellt von Ulrike Götz.

Der letzte Konferenztag brachte noch einmal Graffiti ganz unterschiedlicher Art zusammen: Beginnend mit Zeichnungen und Karikaturen aus dem Ludwigsburger Schloss (Daniel Schulz) über die Graffiti napoleonischer Soldaten in Ägypten (Andreas Effland) bis hin zu Graffiti der NS-Zeit in den öffentlichen Abschlussvorträgen: Vor der Kulisse des Museums für Abgüsse Klassischer Bildwerke zeigte Werner Jung die denkwürdigen Hinterlassenschaften der Häftlinge aus dem Kölner Gestapo-Gefängnis (EL-DE-Haus); Uta Fischer präsentierte Graffiti aus Theresienstadt im Rahmen ihres Projektes „Ghettospuren“.

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Die Vorträge wurden begleitet von lebhaften Diskussionen zur Definition und Auffassung des Begriffs „Graffiti“, Überlieferungs- und Editionsproblemen sowie konkreten Fragen zu den einzelnen Kontexten. Auch das interdisziplinäre Publikum, das Vertreter  von der nordischen Philologie bis zur Religionsgeschichte, aus Denkmalpflege und Museumswesen, von Digitalisierungsprojekten antiker Inschriften bis zu moderner Street Art verband, zeugte von dem breiten Interesse am Thema.

Im Anschluss an die Tagung gab Ulrike Grammbitter vom Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte für die ReferentInnen eine Führung durch den historischen Veranstaltungsort, das Münchner Haus der Kulturinstitute. In dem ehemaligen NSDAP-Verwaltungsbau hatten amerikanische Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Spuren hinterlassen, die von Heimweh und der Hoffnung auf baldige Rückkehr nach Hause zeugen.

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v. l. oben: Detlev Kraack, Romedio Schmitz-Esser, Kordula Gostencnik, Julia Preisigke, Stefan Ritter, Simon Dietrich, Christine Steininger, Hans Taeuber, Ulrike Heckner, Daniel Schulz, Ulrike Götz, Thomas Wozniak, Irmgard Fees, Werner Jung, Polly Lohmann (es fehlen: Angelos Chaniotis, Andreas Effland, Uta Fischer).
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